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Information über Stevia  

Aktuelle Information

Brüssel / Asunción: Das Europäische Parlament unterzeichnete diesen Freitag die Reglementierung für den industriellen Verkauf von Stevia rebaudiana (Ka’a Heê) für Lebensmittel und Getränke innerhalb der Europäischen Union.

Die wurde heute Nachmittag von Alberto Sallustro, Mitglied der Paraguayischen Kammer für Stevia (Capaste), bestätigt.

Sallustro versicherte, dass diesen Freitag das Gesetz gebilligt wurde was aus dem vergangenen Juli stammt. Somit steht der Weg des paraguayischen Süßkrautes in die EU frei.

„Dieser Prozess begann 2003, angekurbelt wurde die Einfuhr von Juan Carlos Fisher“, sagte Sallustro. Am kommenden 2. Dezember 2011 wird die offizielle Einschreibung von Stevia in den Lebensmittelkodex der Europäischen Union stattfinden.

Der Geschäftsmann versicherte zudem, dass dies die wirtschaftlichen Chancen des Landes positiv beeinflussen wird und eventuell auch für ausländische Investoren ein Anreiz sein kann. „Allerdings sollten wir hier mehr Anbaufläche dem Stevia zur Verfügung stellen, der Markt ist groß“, so Sallustro.
 

Unter dem Namen Eupatorium rebaudianum (Fam. Compositae) wurde die Pflanze 1899 zum ersten Mal von Moises S. Bertoni, dem Direktor des agronomischen Institutes von Asunción, in der Revista de Agronomía de Asunción (Vol.1) klassifiziert. Der Chemiker O.Rebaudi, dem M.S. Bertoni die Pflanze widmete, extrahierte 1900 eine Substanz aus den Blättern, die einen süßen Geschmack aufwies. Ein Glukosid, welches er fälschlicherweise als Glycerrhizin identifizierte (Bell 1954; Felippe 1977).

 

In Europa berichtete Gosling als Erster im 'Kew-Bulletin' im Jahr 1901 über Eupatorium rebaudianum. Die Botaniker des Kewer Institutes stellten fest, daß es sich aufgrund der Blütenstruktur um eine Stevia handeln müsse.1905 revidierte Bertoni den Namen in Stevia rebaudiana in der Veröffentlichung Annexo Cientificos Paraguayos, wonach die Stevie unter dem Namen 'Stevia rebaudiana Bertoni' in den 'Index Kewensis' aufgenommen wurde (Klages 1951; Bell 1954; Felippe 1977).

 

Im Jahr 1908 isolierte Rasenack vom Reichsgesundheitsministerium eine kristalline Substanz mit einem süßen Geschmack aus den Blättern der Stevia rebaudiana. Die Substanz sollte einen Schmelzpunkt zwischen 200-210°C haben, in Wasser und Äthylalkohol löslich sein, jedoch schwer löslich in Aceton und Methylalkohol. Rasenack schloß auf ein Glukosid mit der Formel C42H72O2 und daß es nicht mit Glycerrhizin identisch ist (Bell 1954; Felippe 1977).

Dieterich isolierte 1909 zwei unterschiedliche Substanzen aus den Blättern der Stevie. Zum einen das in Ethanol lösliche Eupatorin, welches farblose Kristalle bildete und das amorphe Rebaudin, welches unlöslich in Ethanol war und nicht kristallisiert. Eupatorin soll 150 mal süßer sein als Saccharose, während Rebaudin 180 mal süßer ein soll. Rebaudin, so dachte er, sei eine Zusammensetzung aus Eupatorin und Natrium-Kalium Salzen (Bell 1954; Felippe 1977).

 

1915 folgerte Kobert, daß Eupatorin ein Saponin sein müsse. Er fand eine neutrale und eine bitter-saure Substanz und ordnete sie Saponinen zu. Die zweite Substanz, die mit der Beschreibung von Dieterichs Eupatorin übereinstimmte, besaß nach seinen Erkenntnissen eine 300fach stärkere Süßwirkung als Saccharose und war löslich in Wasser und Alkohol. Sie wurde 1924 offiziell von der "Internationalen Union der Chemie" in Kopenhagen als Steviosid aufgenommen (Kobert 1915; Bell 1954; Felippe 1977; Aguiar 1987). 1931 führten Bridel und Lavieille umfangreiche Untersuchungen über Steviosid durch. Mittels Alkohol extrahierten sie 60-65 g Steviosid aus 1 kg Blattmasse. Sie stellten fest, daß Steviosid und Rebaudosid Mischungen aus organischen und anorganischen Substanzen sind. Steviosid kristallisiert, ist farblos und besitzt einen Schmelzpunkt bei 238°C. Sie stellten eine Summenformel auf: C18H60O38. Desweiteren spalteten Bridel und Lavieille, nach einer Hydrolyse mit 5% Schwefelsäure bei 100°C Steviosid in ein Aglucon (Steviol) und einen Zuckerrest (Seidemann 1976). Zunächst gelang es nicht, Steviosid enzymatisch zu spalten, da das Glucosid von Enzympräparaten nicht angegriffen wurde. Schließlich gelang der fermentative Abbau von Steviosid, mit Hilfe des Verdauungssaftes der Helix pomatia (Weinbergschnecke) bei pH 5, in einen Zucker und ein kristallines Aglukon. Der Zucker erwies sich als d-Glukose und das kristalline Aglukon, welches einen Schmelzpunkt bei 217°C aufwies, bekam den Namen Steviol. Das Steviol erwies sich als eine isomere Verbindung des aus der Säurehydrolyse hervorgegangenen Isosteviols (SP 230°C). Isosteviol bildet sich unter Einwirkung von Säure aus Steviol. Für das Aglukon wurde die Formel C20H30O3 ermittelt (Klages 1951; Bell 1954; Seidemann 1976; Felippe 1977).

 

Mosettig (1955) folgerte aus den Analysen von Bridel, daß Steviol eine Hydroxydehydrostevinsäure ist und Isosteviol, die Diterpenoidsäure des Aglukons eine Ketoisostevinsäure zu benennen (Seidemann 1976). Pomaret und Lavieille zeigten 1931, daß das Steviosid kein Saponin sei und konnten keine toxische Wirkung anhand von Tierversuchen feststellen (Felippe 1977; Aguiar 1987).

 

Bell berichtet von Anbauversuchen Melvilles in Cornwall/England während des zweiten Weltkrieges, die das Ziel hatten, ein Zuckersubstitut zu entwickeln. Die Versuche scheiterten aufgrund der Witterungsbedingungen (Bell 1954; Felippe 1977).

 

Das Instituto Agronomico Nacional de Paraguay unter Leitung von Gattoni setzte sich ab 1945 für die industrielle Herstellung von Steviosid ein, informierte detailliert über die Produktionskosten und begann die kommerzielle Produktion von Steviosid als Zuckersubstitut (Bell 1954). In den folgenden Jahren beschäftigte sich eine große Anzahl von Chemikern mit der Steviosidforschung. Im Vordergrund standen die Strukturerforschung, Produkte der Hydrolyse und deren Ableitungen. 1975 isolierte Sakamoto Rebaudosid A und B (Felippe 1977).

 

Ruddat, Lang und Mossetig entdeckten 1963, daß das Steviosid-Derivat Steviol eine Gibberellin-ähnliche Aktivität besitzt und bei 'Dwarf-5-Mutanten' von Zea mays den gleichen Wachstumseffekt erzeugt, der bisher nur bei Gibberellin A3 bekannt war (Felippe 1977; Busemann 1990).

 

Seit den 70er Jahren wird in São Paulo in verschiedenen Instituten in den Bereichen Physiologie, Biochemie und Toxikologie die Stevie untersucht. in den Instituten arbeiten u.a. Dietrich, Zaidan, Felippe, Metivier, Monteiro und Viana.

 

In Japan begannen seit den 60er Jahren umfangreiche Untersuchungen; hier sind in verschiedenen Bereichen folgende Personen beteiligt: Kato, Sumita, Kawatani und Sheu; zu den Inhaltsstoffen Sakamoto, Mitzukami und Yoshida; und zu den Züchtungsmöglichkeiten Sumita und Tamura. Für Aufsehen sorgten zwei Expeditionen Yokoyamas Anfang der 70er Jahre in denen er 500.000 Wildpflanzen in den Amambay Bergen ausgrub und sie auf verschiedene Versuchsstationen in Japan verteilte (Kienle 1993).

 

So identifizierten Tanaka Rebaudosid A, B, C, D, E und Kobashi (1977) Dulcosid A und B, wobei das zweite identisch mit Rebaudosid C ist. Steviosid ist jedoch das in größten Mengen anzutreffende Glucosid mit 5-22%, gefolgt von Rebaudosid mit 1,5-10% der getrockneten Blattmasse. Der gesundheitliche Aspekt von Steviosid ist nach wie vor umstritten. Von Beginn der Steviaforschung gab es kontroverse Diskussionen und Erkenntnisse. Der forschungsgeschichtliche Umriß der gesundheitlichmedizinischen Erkenntnisse wird später aufgezeigt.

 

natürlicher Standort und heutige Anbaugebiete

Stevia rebaudiana ist eine subtropische Staude, deren natürliches Verbreitungsgebiet im Nordosten Paraguays an der Grenze zu Brasilien liegt, genauer im Departamento Amambay mit den Koordinaten 22-23° S und 55- 56° W. Größere Populationen fand man im Stromgebiet des Rio Ypane in 200 m über NN, oder im Quellgebiet des Rio Monday und auf dem Matto Grosso. Die Stevie ist stark auf kultivierte Flächen verbreitet worden (Shock 1982). Heute findet man nur noch selten wildwachsende Stevia-Stauden (Seidemann 1976).

 

Souza-Brito beschreibt das Ursprungsgebiet der Stevie auf brasilianischer Seite, in Pantanal. Es handelt sich hier um ein sumpfiges Ökosystem, welches im Norden begrenzt wird durch den Rio Miranda. Die mittlere Höhe liegt bei 100 m NN. Vereinzelt wird hier Rinderhaltung betrieben, im Ganzen jedoch handelt es sich um eine noch relativ geschützte Gegend (Souza-Brito 1993). Die Stevie kommt am Rande von Sümpfen, oder in Grasslandflora, vor allem auf Böden mit hohem Wasserstand vor, die durch Zyperngras- Pflanzengemeinschaften gekennzeichnet sind. Die Flächen sind immer feucht, dürfen jedoch nicht länger überschwemmt sein. Die Böden sind in der Regel unfruchtbare saure Sande oder Tonböden. Das Klima in den Amambaybergen ist subhumid subtropisch mit einer Durchschnittstemperatur von 21-23°C und Extremwerten von 43°C bis -6°C. Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht können mehr als 10°C betragen. Der Jahresniederschlag beträgt 1500-1800 mm, wobei sich die Evapotranspiration auf 1000 mm beläuft. In den Monaten Juli und August fallen rund 50 mm, in den übrigen durchschnittlich mehr als 100 mm (Shock 1982; Goenadi 1987; Kienle 1993; Busemann 1990).

 

Heute wird Stevia rebaudiana, laut Cañete, in Paraguay in den Provinzen Amambay, Alto Paraná, Conceptión und Itaipú kultiviert, aber auch in den Anrainerstaaten Brasilien und Argentinien. Desweiteren findet ein Anbau statt in Kalifornien (Shock 1982), Israel (Crammer et al.), Spanien (Kienle 1993); Hauptproduktionsländer sind jedoch Japan, China, Taiwan, Singapur, aber auch Laos, Thailand, Malaysia, Neu-Guinea, Süd Korea, Sri-Lanka, die Philippinen (Kim & Dubois 1991; Yokoyama 1977) und Indonesien (Goenadi 1987).

 

Dieses Verbreitungsgebiet zeigt die erstaunliche Anpassungsfähigkeit der Kulturpflanze an unterschiedliche Klimaverhältnisse auf.

 

Rechtlicher Hinweis!

Jedoch ist Stevia im Gegensatz zu den USA oder Japan in der EU nicht als Nahrungsmittel oder Nahrungsergänzungsmittel zugelassen.

Der Verkauf sämtlicher Stevia Produkte geschieht unter dem rechtlichen Hinweis, dass die Anwendung nur im dentalkosmetischen Bereich und zur äußeren Anwendung durch den Käufer erfolgt.

Der Verkäufer übernimmt rechtlich keine Haftung für weitergehende An- und Verwendung der Steviaprodukte.



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